Im Jahr 2025 könnten deine Anzeigen nicht mehr von Menschen erstellt werden
13.10.2025
KI verändert nicht nur, wer Produkte kauft (KI-Agenten), sondern auch, wer die Werbung erstellt. Von Metas ehrgeizigen KI-Fahrplänen bis hin zu Channel 4s sendefertigen KI-Werbespots: Generative Modelle dringen ins Herz der Werbung vor. Was früher Agenturen, Produktionsteams und lange Vorlaufzeiten erforderte, kann jetzt in Tagen zu einem Bruchteil der Kosten erledigt werden.
Doch schneller und günstiger ist nicht unbedingt besser. Dieser Wandel wirft ebenso viele Fragen auf, wie er Chancen bietet.
KI als Kreativproduzent
Bisher hatten Marketer zwei Optionen: Kreativität im eigenen Haus entwickeln oder Agenturen beauftragen. Beides kostete Zeit und Geld. Dieses Gleichgewicht verschiebt sich:
Channel 4 hat bereits Anzeigen ausgestrahlt, die aus Markeninhalten von KI-Tools zusammengestellt wurden.
Meta plant, den Werbetreibenden bis 2026 die Möglichkeit zu geben, komplette Kampagnen zu generieren: Video, Text, Zielgruppenansprache direkt aus Budget und Zielsetzung.
Ein klares Zeichen: KI optimiert nicht mehr nur Kampagnen. Sie produziert sie.
Die Vorteile: Geschwindigkeit und Zugang
KI bietet unbestreitbare Vorteile:
Geschwindigkeit: Kampagnen können binnen Tagen statt Monaten prototypisiert werden.
Skalierbarkeit: Dutzende von Variationen können für Tests oder Lokalisierung erstellt werden.
Zugänglichkeit: Kleine und mittelgroße Unternehmen erhalten plötzlich Zugang zu professionell aussehenden TV- und Videoformaten, die sie sich vorher nie leisten konnten.
Für Plattformen eröffnet das neue Einnahmequellen. Für KMUs wird das Spielfeld ausgeglichener.
Die Nachteile: Vereinheitlichung und Risiko
Doch gerade die Stärken der KI sind auch potenzielle Schwächen:
Generische Ergebnisse: Wenn jeder die gleichen KI-Tools nutzt, droht die Kreativität in einem Meer von ähnlich aussehenden Anzeigen zu verschwimmen.
Verlust von Markenuancen: Algorithmen können kulturellen Kontext, Ton oder Erzählsubtilität verpassen.
Konformitätsrisiken: KI-Systeme können Aussagen erfinden oder Produkte falsch darstellen, was regulatorische Kopfschmerzen verursacht.
Channel 4 hat Compliance-Checks (via Clearcast) integriert, um diese Risiken zu managen, aber nicht jede Plattform wird solche Schutzmaßnahmen ergreifen.

Veränderte Rollen und Budgets
Für Werbetreibende geht es bei der Veränderung weniger darum, Arbeit zu eliminieren, als vielmehr darum, sie zu verändern.
Marketer wechseln von der praktischen Produktion zur Steuerung und Beaufsichtigung von KI-Systemen.
Agenturen werden von der Ausführung zur Orchestrierung und Strategie gedrängt oder riskieren, ins Abseits zu geraten.
Budgets könnten sich von der Routineproduktion hin zu Medien, Erkenntnissen und Differenzierung verschieben.
Theoretisch werden dadurch Ressourcen für Strategie frei. Praktisch könnte dies die Abhängigkeit von den Plattformen erhöhen, die sowohl die Medien als auch die Kreativität bereitstellen.
Die größere Frage
Der Anstieg von KI-generierten Anzeigen geht nicht nur um Effizienz. Es geht darum, welche Art von Werbung wir am Ende bekommen. Schneller, günstiger und skalierbarer, ja. Aber auch potenziell flacher, risikoscheuer und stärker kontrolliert von einigen wenigen Plattformen.
Für Marketer besteht die Herausforderung darin, die Vorteile der Automatisierung mit dem Bedürfnis nach Markenstimme, Kreativität und Vertrauen in Einklang zu bringen. KI kann sich um die Ausführung kümmern, aber es (noch) nicht die Urteilsfähigkeit, das Geschichtenerzählen und die kulturelle Sensibilität ersetzen, die Werbung zum Klingen bringen.

Das Fazit
Im Jahr 2025 wird deine nächste Kampagne vielleicht weniger von einem Regisseur mit Filmteam und mehr von einem Algorithmus mit Datensatz erstellt. Das ist weder rein gut noch rein schlecht. Es ist ein struktureller Wandel mit Kompromissen auf beiden Seiten.
Werbetreibende, die KI kritisch einsetzen, um Reichweite und Geschwindigkeit zu erweitern, dabei aber die Vereinheitlichung und Überabhängigkeit von Plattformen im Auge behalten, werden am besten aufgestellt sein. Wer KI als Allheilmittel ansieht, mag kurzfristig Kosten sparen, riskiert aber, die Differenzierung zu verlieren, die ihre Marke ausmacht.
Die Frage ist nicht, ob KI Werbung machen wird. Das tut sie bereits. Die echte Frage ist: Werden diese Anzeigen noch Wirkung zeigen?

