Twitchs Viewbot-Problem: Was es für Werbetreibende bedeutet
05.09.2025
Wenn dir aufgefallen ist, dass dein Lieblings-Streamer auf Twitch diesen Sommer plötzlich Zuschauer verliert, bist du nicht allein. Nein, die Gamer haben nicht plötzlich „Just Chatting“ gegen Sudoku-Marathons eingetauscht. Der wahre Übeltäter? Twitchs Durchgreifen gegen Viewbotting – Fake-Accounts, die die Zuschauerzahlen und das Engagement künstlich in die Höhe treiben.
Laut Forbes hat Twitch im Juli still und leise neuen Code eingeführt, um Bots und unechtes Engagement zu erkennen. Das Ergebnis? Tausende von Creators sahen ihre Zuschauerzahlen einbrechen. Einige Berichte deuten darauf hin, dass die Zuschauerzahlen auf der ganzen Plattform je nach Tageszeit zwischen 5 % und 22 % gesunken sind.
Was ist also los – und warum sollten Werbetreibende darauf achten?
Was genau ist Viewbotting?
Denk an Viewbotting wie an das Mitbringen einer Menge Schaufensterpuppen zu einem Konzert. Aus der Ferne sieht es aus, als wäre der Platz voll. Aber wenn die Lichter angehen, merkst du, dass niemand wirklich applaudiert.

Auf Twitch werden Bots verwendet, um:
Zuschauerzahlen aufzublähen (damit ein Streamer beliebter wirkt, als er ist)
Falsche Follower zu generieren
Engagement-Metriken künstlich zu steigern
Es ist nicht nur Twitchs Problem. Instagram, TikTok und YouTube kämpfen alle mit Bots. Allein TikTok hat Berichten zufolge 2022 256 Millionen Bot-Accounts entfernt.
Warum Viewbotting Werbetreibenden schadet
Auf den ersten Blick könnten aufgeblähte Zahlen harmlos aussehen – mehr „Augen“ sollten mehr Reichweite bedeuten, oder? Nicht ganz. Hier ist der versteckte Preis für Werbetreibende:
Verschwendete Ausgaben – Anzeigen, die Bots gezeigt werden, konvertieren nicht. Nazar Babenko von Steam Charts schätzt, dass falsche Zuschauer Werbetreibenden bereits „Millionen gekostet“ haben. Stell dir vor, du bezahlst für einen Super Bowl-Platz und stellst fest, dass die Hälfte der Stadionplätze mit Pappaufstellern gefüllt ist.
Verfälschte Metriken – Falsches Engagement macht es unmöglich, die Kampagnenleistung zu messen. Klickraten, Kosten pro tausend Impressionen und ROAS werden bedeutungslos, wenn dein Publikum nicht echt ist.
Risiken für die Markensicherheit – Bots tummeln sich um dubiose Streams oder Gruppen, die Drittanbieterdienste nutzen. Marken könnten versehentlich dort auftauchen, wo ihr Ruf Schaden nehmen könnte.
Vertrauensprobleme bei Creatorn – Werbetreibende könnten Twitch ganz meiden und damit Ausgaben von kleineren Creatorn abziehen, die auf Werbeeinnahmen angewiesen sind, um zu überleben.
Twitchs Verteidigung (und ihre Herausforderungen)
Twitch besteht darauf, dass Werbetreibende nicht für falsche Ansichten in Rechnung gestellt werden, da sie einen separaten Erkennungsprozess für den Anzeigentraffic verwenden. Das klingt auf dem Papier beruhigend, aber hier ist der Haken: Viewbotting-Dienste entwickeln sich ständig weiter. Während Twitch seine Abwehrmaßnahmen verbessert, passen Bot-Ersteller ihre Taktiken an. Es ist ein nie endendes Wettrüsten.
Außerdem spielt die Wahrnehmung eine Rolle. Selbst wenn Twitch garantiert, dass Werbetreibende nicht für Bots belastet werden, können Schlagzeilen über weit verbreitetes falsches Engagement das Vertrauen untergraben. Große Marken wie AT&T, JP Morgan Chase und Dunkin’ haben ihre Werbeausgaben aus anderen Gründen bereits von Twitch zurückgezogen. Das erhöht den Druck nur noch mehr.
Lektionen für Werbetreibende
Also, was sollten Werbetreibende aus all dem mitnehmen?
Kümmere dich nicht zu sehr um Eitelkeitsmetriken. Zuschauerzahlen können manipuliert werden. Konzentriere dich auf die Qualität des Engagements und Konversionsdaten.
Nutze unabhängige Verifizierungswerkzeuge. Plattformen mögen genaue Messungen versprechen, aber Betrugserkennungsdienste (wie fraud0 😉) bieten eine zusätzliche Schutzschicht.
Verteile deine Ausgaben. Setze nicht dein gesamtes Budget auf einen Kanal. Verteile es über verschiedene Plattformen, um das Risiko zu minimieren.
Stelle schwierige Fragen. Wenn du Anzeigengeschäfte mit Streamern oder Agenturen verhandelst, fordere Transparenz bezüglich der Publikumsqualität.
Abschließende Gedanken
Twitchs Durchgreifen ist ein guter Schritt, um das Livestreaming aufzuräumen, aber es wirft auch ein Licht auf ein größeres Problem: Die digitale Werbung ist immer noch von falschem Traffic geplagt.
Ob es Bots auf Twitch sind oder gefälschte Klicks auf Display-Anzeigen, Werbetreibende müssen immer einen Schritt voraus sein. Denn letztendlich geht es nicht darum, wie viele Leute scheinbar zuschauen – sondern darum, echte Menschen zu erreichen, die zu deinem nächsten Kunden werden könnten.
Und das ist ein Spiel, das es wert ist, gespielt zu werden.

